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Aber die Greta, die isst aus Tupper

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Als Greta im Januar nach Deutschland kam, postete sie auf ihrem Rückweg ein Bild von ihrem Lunch im Zug. In Reaktionen darauf wurde Greta beschuldigt, Lebensmittel aus Plastikverpackungen zu essen.

Das Narrativ hier geht in etwa so: wer ein System verändern will bzw. sich das Recht herausnimmt, ein System zu kritisieren, muss zunächst nachweisen, dass sie* selbst persönlich vollkommen verändert bzw. absolut ohne Kritik würdige Ansätze lebt.

Das Narrativ taucht in vielen Gewändern über das gesamte politische Spektrum immer wieder auf. Ob bei Journalistenwatch oder bei den Ruhrbaronen – das Narrativ, dass aus dem Thoreau’schen

Sei die Veränderung, die du selbst in der Welt sehen möchtest.

Angeblich Ghandi

eine absolutistische Umkehrung macht und die Bedingung formuliert: „Nur wenn du selbst kein noch so kleiner Teil des Systems bist, darfst du es kritisieren“, ist nicht nur unrealistisch anmaßend. Es ist auch aus historischer Sicht falsch.

Veränderungen eines Systems passierten immer aus dem System heraus

Klar ist es richtig und wichtig, dass Menschen zum Beispiel als Ureinwohner im Einklang mit der Umwelt als Teil eines Biotopes leben. Und bestimmt hätten diese Menschen eine noch größere Berechtigung, die Mängel des Systems anzumahnen. Genauso wie die Menschen, die beispielsweise in Afrika mit einem Bruchteil unseres Pro-Kopf-CO2-Ausstoßes leben.

Genau darum aber geht es Greta und den Tausenden von Fridays For Future Initiativen weltweit: Klimagerechtigkeit. Generationengerechtigkeit spielt in ihr genauso eine Rolle, wie soziale Gerechtigkeit innerhalb der Industrieplätze des Westens, aber eben auch im globalen Bezug.

Es geht um Klimagerechtigkeit

Wer nur „So einfach rettet man die Welt eben doch nicht“ sagt und meint, wer nicht selbst perfekt sei, solle doch erst einmal bei sich selbst beginnen, verkennt sowohl die Konsequenz der Bewegung, als auch den Ernst der Lage.

Klar kann mensch Greta Thunberg für ihren privilegierten Segeltörn kritisieren, aber die Bewegung wird sich selbst tatsächlich gerecht, indem sie tatsächlich bei sich selbst und ihrem Umfeld beginnt. Ich kenne keine FFF-Organizer*in, für die das nicht zutrifft: veganes Leben oder massives Einschränken von CO2-intensiven Ernährungsformen. Und die meisten nehmen auch Einfluss auf ihr unmittelbares Umfeld, Freunde und Familie.

Wer aber bereits bei sich selbst begonnen hat, bemerkt wie entscheidend der System Change ist. Wer sich stark einschränkt, auf Fleisch weitestgehend verzichtet und sparsam heizt und Wasser verbraucht, benötigt immer noch 1,5 Erden für dieses Leben.

Wer diese Reise begonnen hat, sieht Alternativen, die eine systemische Umstellung verlangen. Auch weil viele soziale Fragen direkt verknüpft sind und nicht durch Märkte gelöst werden können.

Fridays For Future setzt sich mit niederschwelligen zivilen Ungehorsam für solche Systemänderungen ein. Wer sich den Akteuren der Bewegung nähert, sieht den kritischen Umgang mit dem eigenen CO2-Fußabdruck. Die Mechanismen, die für die heutigen Verhältnisse verantwortlich sind, können nur aus den westlichen Demokratien des globalen Nordens heraus, über eine starke und entschlossene globale Bewegung gelöst werden.

Wenn in Deutschland über 1,5 Millionen Menschen für ein Anliegen auf die Straße gehen, wenn Tausende nach Bekanntwerden des Klimapakets am Freitagabend spontane Blockaden auf den Straßen bilden oder wenn Menschen sich an noch radikaleren Aktionen beteiligen, spielt es keine Rolle, ob sie dazu mit dem Auto anreisen.

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