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Kinder und die Klimakrise: „Welches Menschenbild steckt eigentlich dahinter?“

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Bei Markus Lanz ging es neulich mit Luisa Neubauer um ihr neues Buch und die Frage, Kinder und die Klimakrise in ein Verhältnis zu rücken, nicht zu populistisch und radikal sei.

Narrativ I: Was wirft Markus Lanz Fridays For Future eigentlich vor?

Markus Lanz hängte seine Fragen an Luisa Neubauer ganz besonders an einer Fragestellung aus ihrem Buch auf: Ist es gerechtfertigt in Hinblick auf die Auswirkungen der klimakrise Kinder in die Welt zu setzen? Lanz beschreibt dies als radikale Sprache und fragt sich welches Menschenbild hinter so einer Formulierung stecke. Zuletzt fragt er Neubauer sogar vor, ob es nicht gar Parallelen gäbe zwischen den Formulierungen von Fridays For Future und der Hetze der AfD.

Lanz sagt an einer Stelle „Dann gibt es immer diese irritierenden, auch verstörenden Einwürfe, wenn zum Beispiel Kinder mit CO2 verrechnet werden. Es tut mir leid, aber ich frage mich immer: Was ist das für ein Menschenbild, dass da dahinter steckt?“

Was für ein Menschenbild steckt hinter dem Narrativ von Fridays For Future?

Markus Lanz‘ Fokus war die Frage: Ist Fridays For Future zu radikal? Zwischendurch auch ist auch Greta Thunbergs Auftritt in New York Thema, aber hauptsächlich geht es dabei um die Formulierung aus Luisa Neubauers Buch.

Dabei Markus Lanz macht es klingen, als sei der Gedanke an eigene Kinder beim Klimawandel radikal bzw. nicht sehr naheliegend. Sein Vorwurf an Luisa Neubauer klingt dabei ein wenig wie der eines Abtreibungsgegners, so als wäre die hypothetische Frage Soll ich in diese Welt noch Kinder bekommen? die Entscheidung über Tod oder Leben von bereits lebenden Kindern.

Dabei :

  1. Luisa Neubauer sagt nicht: bekommt keine Kinder.
  2. Menschen sind maßgeblich am Klimawandel beteiligt. Geburtenraten und weltweite CO2-Fußabdrücke spielen eine Rolle.
  3. Wenn die moderaten Szenarien von Klimaforschern eintreffen, was menschliches Leben auf der Erde und die daraus resultierenden soziologischen Implikationen, darf mensch ja schonmal darüber über die Familienplanung nachdenken.

An der Ansicht, dass Menschen am Klimawandel beteiligt sind und dass dieser weitreichende Folgen auf menschliches Leben haben wird, besteht heute wissenschaftlich kein Zweifel.

Schon heute machen Menschen ihre Familienplanung bezüglich von Faktoren, die in der Zukunft liegen. Das nun die Prognosen für die Auswirkungen der Klimakrise auch eine Rolle dabei spielen, wäre nicht radikal.

Narrativ II: Apropos, Menschenbild!

Der Vorwurf der Radikalität speist sich aus der Vorstellung (Narrativ?), dass es eine bestimmte Norm gäbe. Denn: An der Tatsache, dass Menschen Fragen an Familienplanung an die aktuellen Rahmenbedingungen und Prognosen für die Zukunft knüpfen, ist eigentlich nichts Radikales.

Werfen wir doch einen Blick auf ein Narrativ, dass bei der Beurteilung von Fridays For Futures Radikalität gerne als Norm verwendet wird.

Das Altmaier’sche Narrativ, dass Klimaschutz und Wohlstand gegeneinander abgewogen werden müssen ist sehr beliebt in konservativen Kreisen und stellt Wohlstand (im globalen Norden) vor Klimaschutz und entschlossene Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Altmaiers Erzählung ist nicht nur problematisch, weil sie die Gefährdung des Wohlstands durch den Klimawandel verdrängt. Dahinter steckt auch ein kapitalistisches Menschenbild, dass existenzielle Bedrohungen von Leib und Leben im globalen Süden unter das Konzept Wohlstand im globalen Norden stellt – imperiale Lebensweise.

Lanz sollte Peter Altmaier bei nächster Gelegenheit dazu löchern.

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